freiheit der erde

 

Bis jetzt war das Tran­szen­den­te für den Men­schen im­mer der Him­mel. Und die Erde mit ih­ren Be­din­gun­gen muss­te über­schrit­ten, tran­szen­diert wer­den, um in den Him­mel zu kom­men. Die di­gi­ta­le Welt ist eine Welt, wo wir kör­per­los sind. Wir er­hal­ten ein per­ma­nen­tes Be­wusst­sein im di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­raum. Er ist ein Bewusstseinsraum, kein Körperraum. Die­ser ist im­mer mehr der Ort, in dem die wich­ti­gen Din­ge ge­sche­hen. Das Kon­ti­nu­um des Be­wusst­seins findet im Medium statt. Die Erfahrungen im Sin­nes­raum wer­den so zum ei­gen­ar­ti­gen An­de­ren. Die­ser wird so auch das Be­droh­li­che, denn dort sind die Din­ge un­um­kehr­bar, dort ist al­les ein­deu­tig. So wird die Erde zum Tran­szen­den­ten. Und die Offline-Zeit wird zur Be­dro­hung ei­ner Tran­szen­denz-Er­fah­rung.

Wenn der Leib und die Erde et­was Fer­nes, ja Tran­szen­den­tes wer­den, das ich nicht von vorn­her­ein be­woh­ne, dann ent­steht die Frei­heit, sich für sie zu ent­schei­den. Die Fä­hig­keit des ‹An­we­sens› in ei­ner Fra­ge, die die Erde stellt, wird wo­mög­lich die Frei­heits­er­fah­rung des Men­schen im di­gi­ta­len Zeit­al­ter sein.

Aus: Robin Schmidt, Und der Mensch wird Ob­jekt. Frei­heit in der di­gi­ta­len Le­bens­welt. Online hier.

Bild: Diese fotografische Arbeit «More» (2002) von Steve McQueen zeigt nassen Asphalt mit einer Nebelschwade. Gesehen im Schaulager Basel/Münchenstein 2014. Quelle: google